Was sind Triggerpunktinjektionen?

Triggerpunktinjektionen – Übersicht
Overview DiagramBei Triggerpunktinjektionen behandelt eine Ärztin oder ein Arzt myofasziale Triggerpunkte gezielt mit einer Nadel und einem ausgewählten Injektat. Das Verfahren kommt infrage, wenn ein direktes lokales Vorgehen nötig erscheint und konservativere Ansätze nicht ausgereicht haben oder allein nicht passen.
Die Wirkung kann mehrere Quellen haben: die Nadel selbst, das örtlich wirkende Medikament, die unmittelbare Schmerzlinderung und die Gelegenheit, direkt danach mit Bewegung oder Rehabilitation weiterzumachen. Wie sich diese Anteile gewichten, ist nach wie vor umstritten.
Ein gutes Ansprechen heißt: Der Alltag fällt leichter, nicht nur der Schmerz lässt nach. Ob wiederholt wird, hängt genau davon ab.
Manche Patientinnen und Patienten berichten von einer kurzfristigen Linderung, die Bewegung oder Rehabilitation eine Zeit lang erleichtern kann. In einer Studie zu Nacken- und Schulterschmerzen linderte eine zusätzliche Lidocain-Injektion zur Physiotherapie die Schmerzen allerdings nicht stärker als Physiotherapie allein (PMID 26911981).
Was injiziert werden kann
Lokalanästhetika
Ärztlich ausgewähltes Lokalanästhetikum
Ein Lokalanästhetikum wird häufig eingesetzt, um Schmerzen kurzfristig zu lindern und das behandelte Areal direkt nach dem Eingriff weniger reizbar zu machen. Wie viel davon auf die Nadel und wie viel auf das Medikament zurückgeht, ist weiterhin umstritten. Die rasche Linderung ist jedoch ein Grund, warum diese Variante gewählt wird.
- Kann Schmerzen kurzfristig lindern
- Kann den örtlichen Schmerz so weit dämpfen, dass anschließende Bewegung oder Dehnung gelingt
- In der Triggerpunktbehandlung weit verbreitet
- In der Schmerz- und Rehabilitationsmedizin gut bekannt
Kortikosteroid-Zusatz meist entbehrlich
Ein Lokalanästhetikum allein sollte erwogen werden
Eine von ASRA Pain Medicine geleitete Leitlinie mehrerer Fachgesellschaften fand nur einen minimalen Nutzen, wenn Triggerpunktinjektionen ein Kortikosteroid zugesetzt wird (Benzon et al.; PMID 39019502). Die Steroidgabe bringt außerdem eigene Risiken mit sich. Bestehen Schmerzen nach einer früheren Injektion fort, ist eine erneute Beurteilung nötig; eine entzündliche Indikation für ein Steroid ergibt sich daraus nicht.
- Kaum zusätzlicher Nutzen gegenüber einem Lokalanästhetikum allein
- Anhaltende Beschwerden erfordern eine Überprüfung von Diagnose und Behandlungszielen
- Eine erfolglose frühere Injektion rechtfertigt keinen Wechsel zu einem Steroid
- Injektionen an Gelenke, Schleimbeutel oder Nerven folgen eigener, erkrankungsspezifischer Evidenz
Physiologische Kochsalzlösung
Isotone Kochsalzlösung
Kochsalzlösung wird mitunter verwendet, wenn vor allem die mechanische Wirkung der Nadel und die örtliche Verteilung der Flüssigkeit zählen sollen, nicht ein pharmakologisch wirksames Lokalanästhetikum.
- Keine Belastung durch ein Lokalanästhetikum
- Stützt die Annahme, dass die Nadelwirkung selbst bedeutsam sein kann
- Eine Option, wenn ein möglichst einfaches Injektat gewünscht ist
- Vermeidet manche Bedenken, die an ein bestimmtes Medikament geknüpft sind
Botulinumtoxin
Botulinumtoxin in ausgewählten Fällen
Botulinumtoxin kann bei ausgewählten anhaltenden Beschwerdebildern zur Sprache kommen, etwa bei einem gründlich abgeklärten Piriformis-Syndrom. In einer Studie mit 56 Personen schnitt dort IncobotulinumtoxinA plus Physiotherapie besser ab als Kochsalzlösung plus Physiotherapie (Fishman et al., 2017; PMID 27935076). Studien zu Nacken und Kiefer widersprechen sich. Die Wirkung auf den Muskel kann anhalten, ohne dass die Schmerzen spürbar nachlassen. Einen grundsätzlichen Vorteil bei der Wirkdauer gegenüber einem Lokalanästhetikum hat Botulinumtoxin deshalb nicht.
- Wie lange die Schmerzlinderung anhält, hängt von Diagnose und Ansprechen ab
- Wird mitunter bei chronischen, refraktären Verläufen erwogen
- Eine frühere kurze Linderung sagt keinen Nutzen von Botulinumtoxin voraus
- Sorgfältig ausgewählten Situationen vorbehalten
Kombinationsinjektionen
Ärztlich gewählte Kombination
Ein kombiniertes Injektat braucht eine eigene, durch Studien gestützte Indikation. Zusätzliche Wirkstoffe haben bei umschriebenen Muskelschmerzen keinen routinemäßigen Vorteil gezeigt. Anhaltende Beschwerden sind kein Beleg dafür, dass eine stärkere Mischung nötig wäre.
- Lässt sich an die klinische Situation anpassen
- Jeder zusätzliche Wirkstoff braucht eine eigene Indikation und Risikoabwägung
- Für ausgewählte Fälle gedacht, nicht für die Routine
- Steht für eine individuelle Entscheidung statt für ein Einheitsschema
Wirkmechanismus

Wirkmechanismus – Schema
Mechanism DiagramMechanische Effekte
- Die örtliche Reizung durch die Nadel kann die Reizbarkeit eines Triggerpunkts beeinflussen
- Der Eingriff kann die schmerzbedingte Schutzspannung in einem umschriebenen Bereich verringern
- Vertrauter Schmerz beim Einstich ist eine Beobachtung, keine Bestätigung der Diagnose
- Danach kann ein nutzbares kurzes Zeitfenster für die weitere Behandlung entstehen
Pharmakologische Effekte
- Ein Lokalanästhetikum kann Beschwerden kurzfristig lindern
- Ausgewählte Injektate können die örtliche Reizbarkeit des Gewebes auf unterschiedliche Weise verändern
- Welches Medikament gewählt wird, hängt von ärztlicher Einschätzung und Beschwerdebild ab
- Das Injektat dient dem Behandlungsziel; eine Diagnose ersetzt es nicht
Ablauf des Eingriffs

Ablauf des Eingriffs – Schritt für Schritt
Step-by-Step IllustrationKlinische Zuordnung
Vorbereitung und Sicherheitsprüfung
Platzierung der Nadel
Prüfung einer passenden Reaktion
Injektion
Unmittelbare Nachkontrolle
Was Sie erwartet
Während der Behandlung
- Beim Einstich kann ein kurzer, scharfer Schmerz auftreten
- Das vertraute Schmerzmuster kann für einen Moment ausgelöst werden
- Manchmal zeigt sich eine lokale Zuckungsreaktion oder eine andere örtliche Antwort
- Wie es sich anfühlt, hängt von Muskel, Region und Injektat ab
Nach der Behandlung
- Ein vorübergehender Muskelkater nach dem Eingriff ist häufig
- Danach folgen in der Regel angeleitete Bewegung, Dehnung oder Rehabilitation statt vollständiger Schonung
- Ob die Behandlung geholfen hat, zeigt sich am Verlauf von Beschwerden und Funktion, nicht am Eingriff selbst
- Unerwartete Verschlechterung oder Zeichen einer Komplikation wie Fieber, zunehmende Rötung, eitrige Absonderung oder neue Taubheit erfordern eine ärztliche Kontrolle; bei Atemnot oder Brustschmerz Notruf 112 (Schweiz: 144)
Studienlage nach Erkrankung
Umschriebener myofaszialer Schmerz im oberen Trapezius
Abgeklärtes, anhaltendes Piriformis-Syndrom
Chronische axiale Nacken- oder Rückenschmerzen
Chronische schmerzhafte CMD
Kopfschmerz mit druckempfindlichem Nacken oder Schläfe
Anhaltende Schmerzen nach einem früheren Eingriff
Evidenzlage
Eine Injektion mit Lokalanästhetikum kann bei ausgewählten umschriebenen Muskelschmerzen kurzfristig lindern. In einer Studie mit 80 Personen zum oberen Trapezius (Tantanatip et al., 2021; PMID 34179755) linderte eine Triggerpunktinjektion mit Lidocain den Schmerz nach 10 Minuten schneller als eine Kochsalzinjektion zwischen die Faszienschichten, nach 2 und 4 Wochen jedoch nicht mehr. Auch Injektionsebene und Technik unterschieden sich.
Lugo et al. (2016; PMID 26911981) verglichen bei 127 Menschen mit myofaszialem Schmerzsyndrom (MPS) an Nacken und Schulter Physiotherapie, Lidocain-Injektion und beides zusammen. Die Kombination brachte nach 1 und 3 Monaten keinen zusätzlichen Nutzen beim Schmerz. Für chronische axiale Nacken- und Rückenschmerzen spricht die BMJ-Leitlinie von 2025 eine starke Empfehlung gegen intramuskuläre Injektionen mit Lokalanästhetikum aus, mit oder ohne Steroid (Busse et al.; PMID 39971339).
Beim Piriformis-Syndrom teilte eine kleine Studie aus dem Jahr 2015 insgesamt 50 Betroffene zufällig auf und wertete die 47 aus, deren Schmerz nach der Injektion um mindestens die Hälfte zurückging. Ein zusätzliches Steroid brachte nach 1 Woche, 1 Monat und 3 Monaten keinen weiteren Nutzen (Misirlioglu et al.; PMID 25794202). Eine Scheingruppe fehlte, und die Auswahl richtete sich nach dem Ansprechen auf die diagnostische Injektion. Für chronische schmerzhafte CMD rät die BMJ-Leitlinie von 2023 mit bedingter Empfehlung von routinemäßigen Triggerpunktinjektionen und Botulinumtoxin ab (Busse et al.; PMID 38101929).
Injektion oder Dry Needling: die Entscheidung
Ein kurzfristiges Ziel der Schmerzlinderung
Ein Gespräch über die Evidenz zur konkreten Diagnose
Präferenzen bei Medikament und Verfahren
Ein vereinbarter Zeitpunkt zur Überprüfung
Risiken und Komplikationen
Lokalanästhetikum
Häufig genutzt, wenn nach einer klar gezielten Triggerpunktbehandlung eine kurzfristige Schmerzlinderung erwünscht ist.
Nadelwirkung
Ein erheblicher Teil des Nutzens kann auf die örtliche Reizung durch die Nadel zurückgehen, nicht allein auf das Injektat.
Kein routinemäßiger Steroidzusatz
Eine Leitlinie mehrerer Fachgesellschaften fand nur minimalen Nutzen, wenn Triggerpunktinjektionen ein Kortikosteroid zugesetzt wird.
Botulinumtoxin
Ausgewählten refraktären Beschwerdebildern vorbehalten, keine routinemäßige Erstlinienoption.