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Muskelwissen

Multifidus: tiefe Rückenmuskeln und mehr Sicherheit beim Bewegen

Beschwerden neben der Wirbelsäule, Bewegungsprüfung und schrittweiser Kraftaufbau für den Rumpf, ohne vorschnell einen Schaden oder eine Instabilität anzunehmen.

Auf einen Blick

  • Schmerz nahe der Wirbelsäule lässt sich keinem bestimmten Multifidus-Faserbündel zuordnen.
  • Eine unter den Fingern weniger deutliche Anspannung beweist weder einen Schaden noch eine Instabilität oder die Schmerzursache.
  • Wählen Sie eine Übung, die eine wichtige Alltagstätigkeit erleichtert. Für eine hilfreiche Rehabilitation muss kein einzelner tiefer Muskel isoliert werden.

Anatomie und Einordnung der Abbildungen

Der Multifidus gehört zur tiefen Rückenmuskulatur, dem transversospinalen System. Seine überlappenden Faserbündel verbinden hintere Wirbelstrukturen über mehrere Segmente. Die lumbalen Anteile liegen nahe der Mittellinie unter der Faszienhülle der Rückenmuskulatur. Kleine Wirbelgelenke, hintere Nervenäste und benachbarte Muskeln teilen sich diese Region. Das begrenzt die Aussagekraft einer Tastuntersuchung von außen. [3]

Illustrierte Übersicht

Multifidus

Essential Anatomy 5

Illustrierte Übersicht

Abbildung 02 · Triggerpunktregionen · Multifidus · Rechte Brustwirbelsäulen- und obere Lendenregion

Multifidus · Rechte Brustwirbelsäulen- und obere Lendenregion. Zwei unnummerierte rechte regionale Beispiele: der Multifidusanteil in der kombinierten Teilabbildung der mittleren thorakalen Multifidi und Rotatores sowie das getrennte Beispiel der oberen lumbalen Multifidi. Beispielregionen nach der Quelle; keine Zuordnung zu nummerierten Punkten.

Die Beschriftung der Abbildung ist auf Englisch.

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Über diese Abbildung

Aufnahme aus Essential Anatomy 5. Farben und separate Markierungen wurden bearbeitet, ohne die Anatomie neu zu zeichnen. Die dargestellten Regionen sind Beispiele und keinen nummerierten Punkten zugeordnet.

  • Simons, Travell and Simons, Myofascial Pain and Dysfunction, Volume1, second edition, p917 Figure48.2A-B, with p919 Figure48.4 deep-paraspinal anatomy. The source distinguishes thoracic, upper-lumbar and sacral examples; its thoracic panel combines multifidi and rotatores.

Was die Untersuchung aussagen kann

Diese Untersuchungen gehören in fachkundige Hände. Lesen Sie die Einordnung stets zusammen mit ihren Grenzen.

Die wichtige Alltagsbewegung beobachten
Untersuchung
Beobachtet werden etwa eine angenehme Vorbeuge mit anschließendem Aufrichten, das Aufstehen vom Stuhl oder eine Drehung im Bett. Bewegungsablauf, Schmerzverteilung, benötigte Unterstützung und das Sicherheitsgefühl werden festgehalten.
Einordnung
So entsteht ein funktioneller Ausgangswert. Zugleich lässt sich eine Aufgabe auswählen, die schrittweise geübt werden kann.
Aussagegrenze
Ein Haken in der Bewegung oder eine Schutzspannung beweist weder eine segmentale Instabilität noch einen angeblich abgeschalteten Muskel. [1]
Eine Anspannung mit begrenzter Aussagekraft ertasten
Untersuchung
Falls es für die Untersuchung hilfreich ist, tastet die Fachperson in unterstützter Bauchlage neben der unteren Wirbelsäule, während der gegenüberliegende Arm leicht angehoben wird. Verglichen wird die Festigkeit in Ruhe und bei Anspannung; Schmerzen werden getrennt notiert.
Einordnung
Der Multifidus-Hebetest kann die Untersuchung der Bewegungskontrolle ergänzen.
Aussagegrenze
Die Prüfung wurde in einer ausgewählten Patientengruppe mit Ultraschallmessungen verglichen. Daraus folgt keine Diagnose anhand eines Bildbefunds: Ein unauffälliges Bild schließt myofasziale Schmerzen nicht aus, eine Auffälligkeit beweist keine Schmerzursache. Auch Tasten isoliert keine tiefen Faserbündel, bestätigt keinen Triggerpunkt und bestimmt nicht die Schmerzquelle. [3]
Regionale und neurologische Untersuchung
Untersuchung
Besprochen werden Veränderungen der Beschwerden, relevante Vorerkrankungen und Beinsymptome. Bei entsprechender Fragestellung werden Kraft, Sensibilität und Reflexe untersucht.
Einordnung
Die Befunde helfen zu entscheiden, ob ein üblicher aktiver Behandlungsansatz ausreicht oder weitere Abklärung nötig ist.
Aussagegrenze
Ein unauffällig aussehender Muskel entscheidet die Diagnose ebenso wenig wie ein zufälliger Bildbefund. Normale Bilder schließen myofasziale Schmerzen nicht aus; Auffälligkeiten beweisen keine ursächliche Beziehung. [2]

Andere mögliche Ursachen

Unspezifische Schmerzen im unteren Rücken

Bewegungsabhängige Schmerzen in der Region, ohne Hinweise auf ein eindeutig bestimmtes Gewebe oder eine schwerwiegende Ursache.

Nächster Schritt: Ein individuell abgestimmter aktiver Plan orientiert sich an hilfreichen Tätigkeiten und den Einschränkungen im Alltag. [1][2]

Nervenwurzelbeteiligung oder andere neurologische Erkrankung

Beinschmerzen zusammen mit neurologischen Veränderungen oder zunehmendem Kraftverlust.

Nächster Schritt: Nach der neurologischen Untersuchung werden weitere Untersuchungen gezielt anhand der Befunde ausgewählt. [2]

Spezifische Wirbelsäulen- oder Allgemeinerkrankung

Eine erhebliche Verletzung, relevante Tumor- oder Infektionsvorgeschichte, Fieber oder sich verändernde ungeklärte Beschwerden.

Nächster Schritt: Lassen Sie dies ärztlich abklären, bevor die Beschwerden als örtliche Muskelverspannung behandelt werden. [2]

Behandlung im Alltag und in der Praxis

  1. Ein verträgliches Maß an Bewegung erhalten

    Nutzen Sie angenehme Spaziergänge und gewöhnliche Tätigkeiten innerhalb Ihrer aktuellen Möglichkeiten. Besprechen Sie, was schwerfällt, und wählen Sie ein kleines erreichbares Ziel. Vollständig auf Rückenbewegung zu verzichten, ist dafür nicht nötig.

    Schrittweise steigern: Bauen Sie die Belastung langsam aus. Führt der Plan zu einer anhaltenden Verschlechterung, sollte er überprüft werden. Bei ME/CFS oder einer verzögerten, länger anhaltenden Verschlechterung nach Aktivität benötigen Sie einen individuellen Plan zum Umgang mit Ihren Energiegrenzen. Vermeiden Sie fest vorgegebene Übungssteigerungen. [2][4]

  2. Eine gut kontrollierbare Rumpfübung wählen

    Ein mögliches Beispiel ist der abgestützte Vierfüßlerstand: Zunächst gleitet eine Hand oder ein Fuß ein kleines Stück über die Unterlage. Später kann ein Arm oder Bein angehoben werden, sofern dies angenehm bleibt. Atmen Sie dabei normal weiter.

    Schrittweise steigern: Vergrößern Sie Reichweite oder Wiederholungszahl, bevor gegenüberliegender Arm und Bein gemeinsam angehoben werden. Dies übt die Bewegungskontrolle; eine gezielte Wiederherstellung allein des Multifidus ist damit nicht nachgewiesen. [1]

  3. Übungen mit dem Alltag verbinden

    Üben Sie passend zu Ihrem Ziel ein erleichtertes Aufstehen, leichtes Tragen oder das Beugen aus der Hüfte. Allgemeines Krafttraining, Ausdauerbewegung und Übungen zur Bewegungskontrolle können jeweils hilfreich sein.

    Schrittweise steigern: Verringern Sie nach und nach die Unterstützung oder erhöhen Sie die benötigte Last. Vermeiden Sie starres Daueranspannen im Alltag und die Suche nach einem tiefen Knoten mit kräftigem Druck. [1]

Woran Sie Veränderungen erkennen

  • Vergleichen Sie Aufstehen, Tragen oder Gehen jeweils bei gleicher Stuhlhöhe, Last oder Dauer.
  • Beobachten Sie das Sicherheitsgefühl, angenehme Bewegungen und die Reaktion am Folgetag.
  • Ein Fragebogen zu rückenschmerzbedingten Einschränkungen kann den Verlauf ergänzen. Weder Muskelanspannung noch Bildbefund allein bestimmen den Erfolg: Ein normales Bild schließt myofasziale Schmerzen nicht aus, eine Auffälligkeit beweist keine Ursache.

Wann eine Abklärung sinnvoll ist

  • Sofort medizinische Hilfe suchen: neue Blasen- oder Darmfunktionsstörungen, Taubheit im Schritt oder rasch zunehmende Beinschwäche.
  • Ärztlich abklären lassen: erhebliche Verletzung, Allgemeinerkrankung oder zunehmende ungeklärte Schmerzen.

Studienlage und Grenzen

Gezielte Rumpfaktivierung ist eine mögliche Form der Rehabilitation bei Schmerzen im unteren Rücken. Die angeführten Quellen rechtfertigen nicht, bei jedem Rückenschmerz einen geschädigten Multifidus oder eine instabile Wirbelsäule anzunehmen.

Quellen

  1. George et al. Interventions for Acute and Chronic Low Back Pain: Revision 2021

    Klinische Praxisleitlinie. Für Schmerzen im unteren Rücken kommen verschiedene Übungsansätze infrage. Die Auswahl richtet sich nach Beschwerden und Belastbarkeit. Eine allgemeine Überlegenheit isolierten Multifidus-Trainings ist nicht nachgewiesen.

  2. NICE NG59: Low Back Pain and Sciatica — Recommendations (updated 2020)

    Klinische Leitlinie. Regionale Untersuchung, Erhalt von Aktivität und gezielter Einsatz bildgebender Verfahren. Ein normaler Bildbefund schließt myofasziale Schmerzen nicht aus; eine Auffälligkeit beweist nicht, dass sie die Beschwerden verursacht. Druckempfindlichkeit allein identifiziert keinen schmerzverursachenden Gesäß- oder Rückenmuskel.

  3. Hebert et al. Evaluation of Lumbar Multifidus Function via Palpation (2015)

    Primärstudie zu einem Untersuchungsverfahren. Prüft die Zuverlässigkeit und die Übereinstimmung einer ertasteten Anspannung mit einer Vergleichsmessung bei ausgewählten Menschen mit Schmerzen im unteren Rücken. Kein Test auf Triggerpunkte, Schmerzursachen oder Wirbelsäuleninstabilität.

  4. NICE NG206: Myalgic Encephalomyelitis / Chronic Fatigue Syndrome — Recommendations (2021)

    Klinische Leitlinie. Aktivität und Energiemanagement bei ME/CFS; fest vorgegebene Übungssteigerungen werden nicht empfohlen.