§ 01

Was ist manuelle Therapie bei Triggerpunkten?

Manuelle Therapie – Übersicht

Manuelle Therapie – Übersicht

Overview Illustration

Manuelle Therapie arbeitet mit den Händen oder mit geführter Bewegung an einem untersuchten Schmerz- oder Bewegungsproblem. Dazu zählen anhaltender Druck, regionale Massage, Weichteilmobilisation und ausgewählte Gelenkmobilisationen. Das Ziel ist meist ganz konkret: leichter kauen, weniger Kopfschmerztage, bequemer sitzen, weiter gehen.

Wie klar die Indikation ist, hängt von der Diagnose ab. Eine Leitlinie empfiehlt manuellen Druck und geführte Kiefermobilisation bei chronischer schmerzhafter kraniomandibulärer Dysfunktion (CMD). Studien stützen außerdem ausgewählte regionale Programme bei Blasenschmerz mit druckschmerzhaftem Beckenboden, bei nichtspezifischen chronischen Kreuzschmerzen und bei Fersenschmerz an der Fußsohle.

Die Technik wird erst nach der Untersuchung gewählt, die Dosis gemeinsam vereinbart. Äußere Arbeit am Kiefer kann eine vertraute Druckempfindlichkeit im Masseter oder Temporalis ansprechen; geführte Kieferbewegungen können eine gemessene Einschränkung angehen. Beim plantaren Fersenschmerz wurden Druck und Streichungen an der Wade zusammen mit Dehnung untersucht.

§ 02

Techniken der manuellen Therapie

Hinter den folgenden Bezeichnungen stehen unterschiedliche Ansätze, die unterschiedlich gut untersucht sind. Fragen Sie nach, welche Diagnose die Technik behandeln soll, woran der Erfolg gemessen wird und wie sich der Plan ändert, wenn die Linderung nur kurz anhält.

Ein brauchbares Ergebnis ist eine Tätigkeit, die leichter fällt: den Kopf drehen, eine Mahlzeit kauen, bequem sitzen, weiter gehen.

Techniken der manuellen Therapie – Schritt für Schritt

Techniken der manuellen Therapie – Schritt für Schritt

Step-by-Step Illustration

Anhaltender Druck auf Triggerpunkte

Wirkprinzip

Anhaltender Druck setzt einen sensorischen Reiz. Er kann die Schmerzempfindlichkeit oder die Toleranz für Bewegung verändern.

Vorgehen

Die schmerzhafte Region liegt gut gestützt. Die Therapeutin oder der Therapeut sucht die vertraute Druckempfindlichkeit auf und steigert den Druck langsam, nur innerhalb der vereinbarten Grenze. Je nach Ihrer Rückmeldung wird er angepasst oder beendet; danach wiederholen Sie eine relevante Bewegung. Eine Studie zu Nacken- und Schulterschmerzen sah vier wöchentliche Termine vor, das registrierte Protokoll etwa 60 Sekunden an jeweils vier ausgewählten Stellen. Dauer und weitere Termine richten sich nach dem Ansprechen.

Studienlage

In einer Studie mit 42 Büroangestellten, alle Frauen, unterschieden sich manueller Druck und Dry Needling nicht signifikant. In beiden Gruppen nahm die nackenbezogene Beeinträchtigung nach vier Behandlungen und nach drei Monaten ab. Behandelt wurden vor allem Trapezius und Levator scapulae. Ohne Scheinbehandlung kann die Studie weder einen spezifischen Effekt des Drucks belegen noch zeigen, dass beide Verfahren gleichwertig sind.

Myofasziale Entspannung (Myofascial Release, MFR)

Wirkprinzip

Gemeint sind anhaltender Kontakt mit dem Weichgewebe und dessen sanftes Verschieben. Angestrebt werden mehr Wohlbefinden und leichtere Bewegung.

Vorgehen

Passend zu einem klar umrissenen Beschwerde- und Funktionsziel wählt die Fachperson sanften, anhaltenden Kontakt, Druck oder eine Verschiebung des Weichgewebes. In der Beckenbodentherapie verband ein untersuchtes Programm äußere Techniken an Becken, Hüfte und Bauch mit Techniken von innen. Eine innere Untersuchung oder Behandlung setzt eine eigens ausgebildete Fachperson und Ihre ausdrückliche, fortlaufende Einwilligung voraus. Sie können sie jederzeit ablehnen oder abbrechen.

Studienlage

Bei 81 Frauen mit Blasenschmerzsyndrom und druckschmerzhaftem Beckenboden sprachen nach 12 Wochen 59 % global auf gezielte myofasziale Physiotherapie an, nach allgemeiner Massage 26 %. Bei Schmerz, Harndrang und Häufigkeit des Wasserlassens unterschieden sich die Gruppen einzeln betrachtet nicht signifikant. Das Ergebnis gilt für das kombinierte regionale Programm von innen und außen. Ob einzelne Muskeln den Ausschlag geben und ob eine rein äußere Behandlung gleich gut wirkt, bleibt offen.

Tiefe Gewebsmassage

Wirkprinzip

Massagen unterscheiden sich in Druck und Art der Berührung. Sie können entspannen und Schmerz oder Bewegungstoleranz vorübergehend verändern.

Vorgehen

Über einer untersuchten, schmerzhaften Region wird langsam gestrichen, geknetet oder anhaltend gedrückt, während Sie bequem gelagert sind. Den Druck vereinbaren Sie vorab und passen ihn während der Behandlung laufend an. Danach wiederholen Sie eine Alltagsaufgabe wie Gehen oder Bücken: So zeigt sich, ob die Linderung auch die Funktion verbessert.

Studienlage

In einer Studie mit 401 ausgewerteten Teilnehmenden mit nichtspezifischen chronischen Kreuzschmerzen verringerten zehn wöchentliche Sitzungen Entspannungs- oder Strukturmassage die Beeinträchtigung nach zehn Wochen stärker als die übliche Versorgung. Die Strukturmassage war dabei nicht nennenswert besser. Nach 26 Wochen fielen die funktionellen Unterschiede kleiner aus; bei den Beschwerden waren sie nach 26 und 52 Wochen nicht mehr signifikant.

Spray-and-Stretch (Travell-Technik)

Wirkprinzip

Ein kühlender Reiz auf der Haut wird mit sanfter passiver Bewegung kombiniert. Die Dehnung soll sich dadurch angenehmer anfühlen.

Vorgehen

Eine geschulte Fachperson trägt ein geeignetes Kältespray nach Herstellerangaben auf und führt den Muskel anschließend in eine angenehme Dehnung. Haut und Augen werden geschützt, die Dehnung bleibt sanft. Verstärken Kälte oder Bewegung den Schmerz, wird abgebrochen.

Studienlage

Bei 70 gesunden Freiwilligen mit einem latenten Triggerpunkt im oberen Trapezius linderte Spray-and-Stretch nach Dry Needling den Nachschmerz unmittelbar danach stärker als keine Zusatzbehandlung. Ab der sechsten Stunde war innerhalb der 72-stündigen Nachbeobachtung kein Unterschied mehr messbar. Untersucht wurde also der Nachschmerz nach der Nadelung, nicht ein anhaltender myofaszialer Schmerz. PMID 24928191.

PubMed 24928191

Strain-Counterstrain (Jones-Technik)

Wirkprinzip

Eine Körperregion wird in eine angenehme Position gebracht, während Druckempfindlichkeit und Bewegungstoleranz beobachtet werden.

Vorgehen

Die Fachperson lagert den Körperteil so, wie Sie es als angenehm empfinden, und führt ihn danach langsam in die Neutralstellung zurück. Anschließend wird geprüft, ob eine wichtige Bewegung leichter geht. Lösen die Position Taubheit, Schwindel oder zunehmende Schmerzen aus, wird sie sofort beendet.

Studienlage

In einer scheinkontrollierten Studie mit 61 Erwachsenen mit Nackenschmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit der Halswirbelsäule brachte eine einzelne Strain-Counterstrain-Behandlung keinen signifikanten Vorteil gegenüber der Scheinbehandlung, weder für die unmittelbare Beweglichkeit noch für den Schmerz. Eine längere Behandlungsserie hat diese Einzelsitzungsstudie nicht untersucht. PMID 23374199.

PubMed 23374199

Muskelenergietechniken (MET)

Wirkprinzip

Auf eine leichte willkürliche Anspannung gegen Widerstand folgen Entspannung und eine angenehme Bewegung. Die nächste Bewegung soll dadurch besser auszuhalten sein.

Vorgehen

Sie spannen sanft und nur bis zur Schmerzgrenze gegen den Widerstand der Fachperson an, lassen los und bewegen sich dann im verfügbaren, angenehmen Bewegungsumfang. Die Zahl der Wiederholungen richtet sich nach der Verträglichkeit. Zum Schluss wird die Bewegung erneut geprüft.

Studienlage

Eine Studie mit 45 Frauen zwischen 18 und 30 Jahren mit Nackenschmerzen, an denen der obere Trapezius beteiligt war, verglich MET, manuellen Druck und eine Kontrollgruppe. Alle erhielten Haltungsberatung und Heimübungen. Schmerz, Druckempfindlichkeit, Beeinträchtigung und Drehbeweglichkeit besserten sich bis Tag 15 in allen Gruppen, ohne signifikante Unterschiede zwischen ihnen. PMID 30588067.

PubMed 30588067

Positional Release (Entlastung durch Lagerung)

Wirkprinzip

Das Verfahren ähnelt Strain-Counterstrain: Eine gestützte Lagerung soll mehr Wohlbefinden schaffen, bevor wieder Bewegung folgt.

Vorgehen

Die schmerzhafte Region wird in einer gemeinsam vereinbarten, angenehmen Position gestützt. Die Fachperson achtet auf Ihre Rückmeldung und führt die Region langsam in die Neutralstellung zurück. Danach wird die Bewegung oder Tätigkeit erneut geprüft, derentwegen Sie behandelt werden.

Studienlage

Eine Studie mit 60 sonst gesunden Erwachsenen mit Schmerzen im oberen Trapezius und einem Triggerpunkt verglich Positional Release mit therapeutischer Massage. In beiden Gruppen gingen die Schmerzen zurück, ohne signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen; beobachtet wurde bis 48 Stunden nach der Behandlung. Einen längerfristigen Nutzen hat die Studie nicht erfasst. PMID 34776151.

PubMed 34776151
Zentrale Techniken der manuellen Therapie
Anhaltender Druck

Gut verträglicher Druck an untersuchten, schmerzhaften Stellen, danach Kontrolle einer relevanten Bewegung.

Kiefermobilisation

Therapeutengestützte Bewegung bei einer festgestellten Einschränkung des Kiefers im Rahmen der Versorgung chronischer schmerzhafter CMD.

Regionale Massage

Angenehmer Kontakt über einer schmerzhaften Region, anschließend erneute Prüfung von Beeinträchtigung und Alltagsaktivität.

Manuelle Behandlung der Wade

Druck und Streichungen an der Wade zusammen mit Dehnung bei untersuchtem Fersenschmerz an der Fußsohle.

§ 03

Was die Studien tatsächlich geprüft haben

Die unten aufgeführten Studien prüften klar umrissene Beschwerdebilder. Die Druckbehandlung an Nacken und Schulter umfasste mehrere Muskelstellen, die Massage am unteren Rücken war regional angelegt, und die Beckenphysiotherapie verband Techniken von innen und außen. Die Ergebnisse gelten für genau diese Programme und Studiengruppen. Wie stark einzelne Muskeln beitragen und ob sich die Befunde auf andere Protokolle übertragen lassen, bleibt unsicher.

Die Studie zum Fersenschmerz berichtete Ergebnisse nach einem Monat; die Kreuzschmerzstudie fand nach 26 und 52 Wochen keinen signifikanten Unterschied bei den Beschwerden. In einer eigenen Studie mit 200 Personen mit zervikogenem Kopfschmerz verbesserten manuelle Behandlung oder Übungen mit geringer Belastung die Kopfschmerzwerte über 12 Monate; beides zu kombinieren war statistisch nicht überlegen. Das manuelle Programm erlaubte Mobilisationen ebenso wie schnelle Manipulationsimpulse, eine isolierte Massage der subokzipitalen Muskulatur wurde nicht untersucht (Jull et al., 2002; PMID 12221344).

PubMed 12221344

De Meulemeester et al. (2017)

Manueller Druck im Vergleich zu Dry Needling bei myofaszialen Nacken- und Schulterschmerzen42 Büroangestellte, alle Frauen, erhielten vier wöchentliche Behandlungen. Die Beeinträchtigung nahm in beiden Gruppen nach der Behandlung und nach drei Monaten ab, ohne signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen. Die Studie behandelte nicht gezielt einen einzelnen Muskel und hatte keine Scheinbehandlung. PMID 28017188.PubMed 28017188

Busse et al. (2023)

Praxisleitlinie zu chronischen schmerzhaften temporomandibulären Störungen (CMD)Für CMD-Schmerzen, die seit mindestens drei Monaten bestehen, spricht das Leitliniengremium eine starke Empfehlung für manuelle Triggerpunkttherapie und therapeutengestützte Mobilisation gegenüber Placebo oder Scheinbehandlung aus. Eine bestimmte Druckdauer, Sitzungszahl oder ein einheitliches Kontrollintervall legt die Leitlinie nicht fest. PMID 38101929.PubMed 38101929

FitzGerald et al. (2012)

Myofasziale Physiotherapie bei Blasenschmerz mit druckschmerzhaftem Beckenboden81 Frauen erhielten entweder gezielte Beckenphysiotherapie von innen und außen oder eine allgemeine Massage, mit bis zu zehn Terminen à 60 Minuten über 12 Wochen. Global sprachen 59 % gegenüber 26 % an; bei Schmerz, Harndrang und Häufigkeit des Wasserlassens gab es einzeln betrachtet keine signifikanten Unterschiede. PMID 22503015.PubMed 22503015

Cherkin et al. (2011)

Entspannungsmassage, Strukturmassage und übliche Versorgung bei chronischen Kreuzschmerzen401 ausgewertete Teilnehmende: Nach zehn wöchentlichen Terminen schnitten Entspannungs- und Strukturmassage im Roland-Fragebogen zur Beeinträchtigung um 2,9 bzw. 2,5 Punkte besser ab als die übliche Versorgung. Die Strukturmassage war nicht nennenswert überlegen. Nach 26 und 52 Wochen unterschieden sich die Beschwerden nicht mehr signifikant. PMID 21727288.PubMed 21727288

Renan-Ordine et al. (2011)

Manuelle Therapie am Gastrocnemius plus Dehnung bei plantarem Fersenschmerz60 Teilnehmende: Druck und längs geführte Streichungen am Gastrocnemius plus Dehnung verbesserten körperliche Funktion und Schmerz im SF-36 nach einem Monat stärker als Dehnung allein. Untersucht wurde Fersenschmerz an der Fußsohle. Eine Wirksamkeit bei isoliertem myofaszialem Wadenschmerz oder ein Effekt über den ersten Monat hinaus belegt die Studie nicht. PMID 21285525.PubMed 21285525

Chronischer Kieferschmerz

Leitlinienempfehlung für manuellen Druck und therapeutengestützte Mobilisation bei schmerzhafter CMD, die seit mindestens drei Monaten besteht

Globales Ansprechen bei Beckenschmerz

59 % gegenüber 26 % nach 12 Wochen: gezielte Beckenphysiotherapie im Vergleich zu allgemeiner Massage bei Frauen mit Blasenschmerz und druckschmerzhaftem Beckenboden

Funktion nach zehn Wochen

Regionale Massage verringerte die Beeinträchtigung bei chronischen Kreuzschmerzen stärker als die übliche Versorgung; Unterschiede bei den Beschwerden hielten nach 26 und 52 Wochen nicht an
§ 04

Behandlung planen und überprüfen

Ein Behandlungsplan braucht eine Diagnose, eine vereinbarte Technik und einen Zeitpunkt für die Überprüfung. Die folgende Abfolge hilft, die Behandlung auszuwählen und sie am gemessenen Ansprechen auszurichten.

Behandlungsablauf – Schritt für Schritt

Behandlungsablauf – Schritt für Schritt

Step-by-Step Illustration

Schritt 1: Untersuchen und ein Ziel vereinbaren

Erstuntersuchung; bei Eignung ein BehandlungsversuchDiagnose, Einwilligung und eine Ausgangsaktivität

Zuerst werden die maßgebliche Diagnose und eine Tätigkeit festgelegt, die besser werden soll. Beschwerden und Funktion werden dokumentiert. Die Fachperson erklärt den geplanten Körperkontakt und vereinbart mit Ihnen, wo seine Grenzen liegen.

Schritt 2: Eine passende Technik erproben

Richtet sich nach Diagnose und frühem AnsprechenEine verträgliche Maßnahme mit sofortiger Kontrolle

Gewählt wird eine Technik, die für das Beschwerdebild durch Studien gestützt ist, in einer vereinbarten, gut auszuhaltenden Dosis. Danach wiederholen Sie die Ausgangsaufgabe. Druck, Dauer und behandelte Fläche werden nach Ihrer Rückmeldung und dem gemessenen Ansprechen angepasst.

Schritt 3: Wirkung im Alltag prüfen

Kontrolle, bevor die Serie verlängert wirdSpürbarer Nutzen zwischen den Terminen

Hält die leichtere Bewegung bis in den Alltag an? Dafür eignet sich ein passendes Maß, etwa Kopfschmerztage, schmerzfreie Mundöffnung, Gehstrecke oder ein Fragebogen zur Beeinträchtigung. Eine Besserung sollte den aktiven Plan unterstützen, der für die jeweilige Diagnose gewählt wurde.

Schritt 4: Abschließen oder neu beurteilen

Weitere Termine nur bei klar umrissenem BedarfSelbstständige Aktivität und ein Plan für neue Beschwerden

Die Serie endet, wenn die Ziele erreicht sind oder der Nutzen nicht ausreicht. Gemeinsam wird festgehalten, was Sie selbst übernehmen können, wie Sie auf einen Schub reagieren und welche Veränderungen eine erneute Untersuchung erfordern.

§ 05

Wenn manuelle Therapie allein nicht reicht

Folgt auf eine kurze Linderung immer wieder der alte Schmerz, sollten Diagnose, Behandlungseffekt und Erwartungen überprüft werden. Vergleichen Sie Beschwerden und Alltagsaktivität mit dem Ausgangswert, bevor Sie gemeinsam den nächsten Schritt wählen.

Aktivitäten, Schlaf, Stress und andere gesundheitliche Themen gehören auf den Prüfstand, wenn sie zur Vorgeschichte passen. Eine Tätigkeit, die die Beschwerden zuverlässig verstärkt, lässt sich anpassen. Ein relevantes medizinisches Problem sollte abgeklärt und behandelt werden.

Anhaltende Schmerzen brauchen unter Umständen einen breiteren Plan: dosierte Aktivität, Hilfe beim Schlaf, psychologische Begleitung oder eine Überprüfung der Medikamente, jeweils auf das individuelle Beschwerdebild abgestimmt. Neue Schwäche, eine ungeklärte Schwellung, Allgemeinsymptome oder eine deutliche Veränderung der Schmerzen erfordern eine erneute ärztliche Untersuchung, bevor weiter lokal behandelt wird.

Was bei Bedarf überprüft werden sollte

Faktoren

Mechanisch

  • Länger dauernde Tätigkeiten, die die Beschwerden zuverlässig verstärken
  • Veränderungen am Arbeitsplatz, die sich für mehr Komfort ausprobieren lassen
  • Eine kürzliche Zunahme wiederholter Arbeits- oder Trainingsbelastung
  • Bewegungen, die wegen Schmerz oder Schwäche schwerfallen
  • Wenig Gelegenheit, die Position zu wechseln oder sich zu bewegen
  • Schlafpositionen oder Tätigkeiten, die mit den eigenen Beschwerden zusammenhängen
Faktoren

Ärztliche Abklärung bei Bedarf

  • Neue neurologische Symptome oder eine ungeklärte Schwäche
  • Ein kürzlicher Unfall oder Verdacht auf eine akute Gewebeverletzung
  • Allgemeinsymptome wie Fieber oder ungewollter Gewichtsverlust, die abgeklärt werden müssen
  • Medikamentenwirkungen, die zur Krankengeschichte passen
  • Ein möglicher Mangelzustand oder eine hormonelle Erkrankung, wenn Anamnese und Untersuchung eine Testung nahelegen
  • Bekannte Erkrankungen, die den Behandlungsplan verändern
Faktoren

Psychisch

  • Chronischer Stress und Ängste
  • Depression oder gedrückte Stimmung
  • Schlechte Schlafqualität
  • Sorge vor Bewegung oder Vermeidung, die den Alltag einschränkt
§ 06

Eine qualifizierte Fachperson finden

Wählen Sie eine Fachperson, die für die Körperregion und Ihre Diagnose ausgebildet ist, den geplanten Körperkontakt erklärt, Ihre Einwilligung respektiert und den Fortschritt misst. Berufsbezeichnungen und Befugnisse unterscheiden sich zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz; Behandlungen am Beckenboden oder im Mund erfordern eine eigene Ausbildung. In Deutschland kann manuelle Therapie als Heilmittel ärztlich verordnet werden, die gesetzliche Krankenversicherung trägt die Kosten dann bis auf die gesetzliche Zuzahlung. In Österreich und der Schweiz gelten eigene Regeln für Verordnung und Kostenübernahme.

Physiotherapeutin oder Physiotherapeut

  • Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten können manuelle Behandlung mit Übungen, Bewegungsschulung und Rehabilitation verbinden. Fragen Sie nach der Ausbildung für Ihre Diagnose, nach der geplanten Technik und danach, wie der Fortschritt gemessen wird.
  • Relevante Qualifikationen: Staatlich anerkannte Ausbildung; Zertifikat Manuelle Therapie (in Deutschland Voraussetzung für die Kassenabrechnung dieser Leistung); Weiterbildung in Triggerpunkttherapie kann relevant sein

Ärztin oder Arzt mit Manueller Medizin bzw. Osteopathie

  • Ärztinnen und Ärzte, die manualmedizinisch oder osteopathisch arbeiten, setzen unter anderem Strain-Counterstrain, Muskelenergietechniken und myofasziale Techniken ein, eingebettet in die übrige medizinische Versorgung. Die ärztliche Ausbildung kann hilfreich sein, wenn sich Schmerzen mit anderen Gesundheitsproblemen überschneiden. Die Studienlage zu einzelnen osteopathischen Techniken bei myofaszialen Schmerzen ist allerdings begrenzt. Nichtärztliche Osteopathie gilt in Deutschland als Ausübung der Heilkunde und setzt in der Regel eine Heilpraktikererlaubnis voraus; in der Schweiz ist Osteopathie ein eigener reglementierter Gesundheitsberuf.
  • Relevante Qualifikationen: Zusatzbezeichnung Manuelle Medizin/Chirotherapie oder ärztliche Fortbildung in osteopathischen Verfahren, wo zutreffend

Chiropraktikerin oder Chiropraktiker

  • Manche chiropraktisch Tätige nutzen Weichteiltechniken neben manueller Behandlung der Wirbelsäule oder einzelner Regionen. In der Schweiz ist Chiropraktik ein universitärer Medizinalberuf; in Deutschland ist die Bezeichnung nicht geschützt und die Ausbildung uneinheitlich. Achten Sie auf eine Qualifikation, die zu Ihren Beschwerden passt, auf eine klare Einwilligung und auf einen Plan, der Aktivität und Funktion erneut überprüft.
  • Relevante Qualifikationen: In der Schweiz eidgenössisches Diplom; sonst konkrete Weichteil- oder Rehabilitationsausbildung erfragen

Medizinische Masseurin oder medizinischer Masseur

  • Masseurinnen und Masseure können im Rahmen ihrer Ausbildung und Befugnisse entspannende oder gezielte regionale Techniken anbieten. Achten Sie auf eine klare Einwilligung, auf einen Druck, der nach Ihrer Rückmeldung angepasst wird, und auf eine Überprüfung der Ziele, die Ihnen wichtig sind.
  • Relevante Qualifikationen: Deutschland: staatlich anerkannte Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister; Österreich: Heilmasseurin/Heilmasseur; Schweiz: eidgenössischer Fachausweis. Weiterbildungen in myofaszialer oder Triggerpunkttherapie können hilfreiche Hinweise sein

Fragen an eine mögliche Therapeutin oder einen möglichen Therapeuten

Haben Sie eine spezielle Ausbildung in der Behandlung von Triggerpunkten oder myofaszialen Schmerzen?

Verbinden Sie die Behandlung mit den Händen mit Übungen und Anleitung zur Selbsthilfe?

Nach welchen Kriterien wählen Sie die manuellen Techniken aus?

Wie prüfen Sie, ob andere Ursachen für diese Schmerzen infrage kommen?

Woran messen Sie, ob die Behandlung tatsächlich hilft?

Wie geht es weiter, wenn die manuelle Therapie nur vorübergehend hilft?

§ 07

Manuelle Therapie im Vergleich

Verfahren
InvasivitätStudienlageSelbstanwendungTypischer Einsatz

Manuelle Therapie

Nichtinvasiv
Hängt von Diagnose und Technik ab
Teilweise (Selbstmassage möglich)
Chronische schmerzhafte CMD sowie ausgewählte Nacken-, Becken-, Rücken- oder Fersenbeschwerden

Dry Needling

Minimalinvasiv
Je nach Erkrankung und Beobachtungsdauer unterschiedlich
Nicht möglich
Ausgewählte, untersuchte myofasziale Schmerzen; lange Dauer allein begründet keine Indikation

TENS

Nichtinvasiv
Erkrankungsspezifisch; nicht für jedes Schmerzbild belegt
Zu Hause, nach Beratung zu Eignung und Elektrodenlage
Zusätzliche Symptomlinderung, wenn sie für die Diagnose gestützt ist und Ihnen hilft

Bewegungstherapie

Nichtinvasiv
Leitlinienunterstützung je nach Erkrankung
Angepasstes Heimprogramm
Gestufte Belastung, Bewegungsübung und Rückkehr zu Alltagsfunktionen
Das Wichtigste in Kürze
  1. Die Behandlung an der Diagnose ausrichten

    Für chronischen Kieferschmerz, Blasenschmerz mit druckschmerzhaftem Beckenboden, nichtspezifische Kreuzschmerzen und Fersenschmerz wurden jeweils andere manuelle Ansätze untersucht. Gewählt wird erst, nachdem Beschwerden und relevante Bewegungen untersucht sind.

  2. Kontakt und Druck vereinbaren

    Die Behandlung bleibt innerhalb der vereinbarten Grenze und wird nach Ihrer Rückmeldung angepasst. Techniken am Beckenboden von innen oder im Mund erfordern eine eigene Ausbildung und Ihre ausdrückliche Einwilligung.

  3. Eine wichtige Tätigkeit messen

    Je nach Beschwerdebild werden schmerzfreie Mundöffnung, Kopfschmerztage, Sitzen oder Gehen verfolgt. Zwischen den Terminen wird erneut geprüft, wie sich die Beschwerden auf den Alltag auswirken.

  4. Den Gesamtplan beibehalten

    Angezeigte Übungen, Selbstmanagement und ärztliche Versorgung laufen weiter. Eine manuelle Beckenbehandlung wird mit der Abklärung und Behandlung von Blasen- oder anderen Beckenbeschwerden abgestimmt.

  5. Einen festen Prüfpunkt nutzen

    Die Schemata aus Studien dienen als Orientierung für die Dosis. Vor jeder Verlängerung wird das gewählte Ziel überprüft und ein Plan für eigenständige Aktivität und künftige Schübe vereinbart.

  6. Geringen Nutzen neu bewerten

    Eine nur kurz anhaltende Linderung kann ein Grund sein, den Plan zu ändern. Anhaltende Verschlechterung oder neue neurologische, durchblutungsbedingte oder allgemeine Symptome müssen abgeklärt werden, bevor weiter lokal behandelt wird.