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Muskelwissen

Hüftadduktoren: Schmerzen an Oberschenkelinnenseite und Leiste

Adductor longus, brevis und magnus, Gracilis und Pectineus: Untersuchung von Schmerzen beim Zusammendrücken der Beine, bei Seitwärtsschritten und in der Leiste.

Auf einen Blick

  • Schmerzen beim Zusammendrücken der Beine lassen sich keinem einzelnen Adduktor zuordnen.
  • Adduktorenbezogene Leistenschmerzen sind eine klinische Kategorie. Beschwerden von Hüfte, Leistenkanal, Schambeinregion oder anderen Strukturen können hinzukommen.
  • Eine akute Verletzung, anhaltende sportbezogene Leistenschmerzen und Beschwerden aus Bauch oder Becken benötigen jeweils eine passende Abklärung.

Anatomie und Einordnung der Abbildungen

Die Adduktoren liegen an der Innenseite des Oberschenkels und führen das Bein zur Körpermitte. Der Adductor longus zieht vom Schambein zum Oberschenkelknochen. Brevis liegt tiefer; Magnus bildet eine breite tiefe Schicht, deren hinterer Anteil auch die Hüfte streckt. Gracilis überquert das Knie, Pectineus liegt weiter oben. In der Leiste verlaufen zudem wichtige Gefäße und Nerven; auch andere als muskuläre Strukturen können Beschwerden verursachen. Behandeln Sie die Leiste und die vordere Hüftregion deshalb nicht eigenständig mit kräftigem Druck. [1][2]

Illustrierte Übersicht

Gracilis

Essential Anatomy 5

Illustrierte Übersicht

Abbildung 02 · Triggerpunktregionen

Gracilis. Zwei unnummerierte klassische Beispiele im Muskelbauch. Beispielregionen nach der Quelle; keine Zuordnung zu nummerierten Punkten.

Die Beschriftung der Abbildung ist auf Englisch.

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Über diese Abbildung

Aufnahme aus Essential Anatomy 5. Farben und separate Markierungen wurden bearbeitet, ohne die Anatomie neu zu zeichnen. Die dargestellten Regionen sind Beispiele und keinen nummerierten Punkten zugeordnet.

  • Travell and Simons, Myofascial Pain and Dysfunction: The Trigger Point Manual, Volume 2, The Lower Extremities, first edition
  • Fig. 15.3; p. 293; 311

Was die Untersuchung aussagen kann

Diese Untersuchungen gehören in fachkundige Hände. Lesen Sie die Einordnung stets zusammen mit ihren Grenzen.

Vorgeschichte und Untersuchung mit Einverständnis
Untersuchung
Zunächst wird geklärt, ob die Beschwerden bei einem Schuss, Richtungswechsel oder allmählich gesteigertem Training begannen. Fragen nach einem Haken in der Hüfte, Beschwerden beim Husten sowie Bauch- oder Beckensymptomen gehören dazu. Vor dem Abtasten der Leiste wird der Ablauf erklärt, die nicht untersuchte Region angemessen abgedeckt und Ihr Einverständnis eingeholt.
Einordnung
Die Vorgeschichte bestimmt, welche Regionen geprüft werden sollten. So wird eine vorschnelle Erklärung allein durch Muskeln vermieden.
Aussagegrenze
Druckempfindlichkeit nahe dem Schambein schließt weder einen Leistenbruch noch eine Knochen-, Hüft- oder Organerkrankung aus. [2]
Druckempfindlichkeit und Adduktion gegen Widerstand
Untersuchung
Die Fachperson vergleicht vertraute Druckschmerzen in der Adduktorenregion mit Schmerzen bei einem dosierten Zusammendrücken der Beine oder einer anderen Adduktion gegen Widerstand. Notiert wird der genaue Schmerzort, nicht nur ein positives oder negatives Testergebnis.
Einordnung
Bei Sportlerinnen und Sportlern kann die Kombination zur adduktorenbezogenen Kategorie des Doha-Konsenses passen.
Aussagegrenze
Diese Kategorie identifiziert keinen einzelnen Muskel und bestätigt keinen Triggerpunkt. Eine weitere Kategorie von Leistenschmerzen kann gleichzeitig vorliegen. [2]
Alltagsfunktion und benachbarte Regionen
Untersuchung
Geprüft werden ein verträglicher Seitwärtsschritt und die Hüftbeweglichkeit. Besteht kein Verdacht auf eine größere akute Verletzung, kann die Kraft verglichen werden. Je nach Vorgeschichte werden Hüfte, Leistenkanal oder Schambeinregion gezielt mituntersucht.
Einordnung
Aus den Befunden lässt sich eine geeignete Belastungsaufgabe auswählen. Sie helfen auch zu entscheiden, ob eine weitere fachliche Abklärung nötig ist.
Aussagegrenze
Ein einzelner Drucktest der Beine in nur einem Gelenkwinkel ersetzt keine vollständige Untersuchung der Leiste. [2][3]

Andere mögliche Ursachen

Akute Adduktorenverletzung

Plötzliche Beschwerden bei einem Schuss oder schnellen Richtungswechsel mit örtlichem Schmerz, Bluterguss und verminderter Kraft.

Nächster Schritt: Vor kräftigem Dehnen, maximaler Kraftprüfung oder Rückkehr zum Sport sollte das Ausmaß der Verletzung beurteilt werden. [2]

Andere Formen sportbezogener Leistenschmerzen

Beschwerden am Leistenkanal beim Husten oder Anspannen des Bauchs, Druckempfindlichkeit am Schambein, eingeschränkte Hüftbeweglichkeit oder Befunde in der Iliopsoasregion.

Nächster Schritt: Jede vermutete Region wird passend untersucht. Mehrere klinische Kategorien können nebeneinander bestehen. [2]

Knochen, Bauch, Becken oder Harn- und Geschlechtsorgane

Starke Schmerzen beim Belasten des Beins, eine Vorwölbung in der Leiste, Allgemeinsymptome oder Beschwerden ohne erkennbaren Bezug zur Muskelbelastung.

Nächster Schritt: Lassen Sie dies ärztlich abklären. Eine Triggerpunktkarte eignet sich nicht, um solche Beschwerden ohne Untersuchung zu erklären. [2]

Behandlung im Alltag und in der Praxis

  1. Die auslösende Belastung vorübergehend verringern

    Passen Sie schnelle Richtungswechsel, weite Ausfallschritte und kräftige Schüsse an. Gewöhnliche Aktivität darf in verträglichem Umfang weitergehen. Starkes Dehnen bis zum Bewegungsende ist keine Voraussetzung, um die Erholung zu beginnen.

    Schrittweise steigern: Bauen Sie zunächst leichte Bewegung wieder auf, bevor Sie die stärkste sportliche Provokation wiederholt ausprobieren. [3]

  2. Adduktorenkraft und Koordination aufbauen

    Bei einem abgeklärten Belastungsproblem kann ein sanftes Zusammendrücken bei abgestützten Beinen oder eine Adduktionsaufgabe mit kurzem Hebel ein praktischer Einstieg sein. Widerstand und koordinative Anforderungen werden nach Verträglichkeit gesteigert.

    Schrittweise steigern: Übungen mit langem Hebel und Kopenhagener Adduktionsvarianten kommen erst bei ausreichender Belastbarkeit hinzu. Eine einheitliche Anfangsdosis passt nicht zu jeder Verletzung. [3]

  3. Richtung und Tempo der eigentlichen Aufgabe wieder erreichen

    Verbinden Sie das Krafttraining mit Seitwärtsschritten, kontrollierten Richtungswechseln und später sporttypischem Tempo. Ein Feldsport und ein Alltag mit eingeschränktem Gehen verlangen unterschiedliche Steigerungen.

    Schrittweise steigern: Beobachten Sie vertraute Schmerzen und Funktion nach jeder Belastungszunahme. Halten die Beschwerden an, sollten Diagnose und Belastungsplan erneut geprüft werden. [3][2]

Woran Sie Veränderungen erkennen

  • Vergleichen Sie dieselbe Adduktionsaufgabe und den dabei auftretenden Schmerzort.
  • Erfassen Sie Seitwärtsschritte und Richtungswechsel getrennt vom Dehnumfang.
  • Prüfen Sie bei einem veränderten Muster erneut mögliche Hüft-, Leistenkanal- und andere Beschwerden.

Wann eine Abklärung sinnvoll ist

  • Zeitnah ärztlich abklären lassen: fehlende Belastbarkeit des Beins, größere akute Verletzung oder zunehmend starke, ungeklärte Leistenschmerzen.
  • Dringend medizinische Hilfe suchen: plötzlich starke Hoden- oder Bauchschmerzen, eine schmerzhafte Vorwölbung in der Leiste, Fieber oder deutliches allgemeines Krankheitsgefühl.

Studienlage und Grenzen

Die angeführte Trainingsstudie spricht für aktive Rehabilitation bei einer ausgewählten Gruppe mit lang anhaltenden sportbezogenen Adduktorenbeschwerden. Daraus folgt nicht, dass ein druckempfindlicher Adduktor Symptome von Beckenorganen verursacht oder die Behandlung eines Punktes sämtliche Leistenschmerzen behebt.

Quellen

  1. University of Washington Muscle Atlas: Adductor Longus

    Anatomische Referenz einer Universität. Dient der Beschreibung von Muskelansätzen und Funktionen. Die Quelle bestätigt weder Triggerpunktlagen noch die Wirksamkeit einer Behandlung. Hier wird keine ihrer Abbildungen reproduziert.

  2. Weir et al. Doha Agreement on Terminology and Definitions in Groin Pain in Athletes (2015)

    Klinischer Konsens. Mehrere klinische Kategorien können gleichzeitig vorliegen. Für adduktorenbezogene Leistenschmerzen werden Druckempfindlichkeit der Adduktoren und der vertraute Schmerz bei Adduktion gegen Widerstand gefordert. Diese Einordnung ist keine Triggerpunktdiagnose.

  3. Hölmich et al. Active Physical Training for Long-standing Adductor-related Groin Pain (1999)

    Randomisierte Studie. Hölmich et al. untersuchten 1999 insgesamt 68 Sportler mit lang anhaltenden adduktorenbezogenen Leistenschmerzen. Das aktive Kraft- und Koordinationstraining erzielte bessere Ergebnisse als das physiotherapeutische Vergleichsprogramm. Die Ergebnisse gelten für diese ausgewählte Sportlergruppe und nicht für einzelne druckempfindliche Punkte.